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22. Oktober 2009

Spätestens jetzt wird Haydn nicht nur in England geliebt – nachgereichte Kritiken zum Konzert der Salzburger Hofmusik mit Ruby Hughes beim Musiksommer Loisachtal

Oasen der Freundschaft
Werke von Joseph Haydn erinnern an seine Begegnungen in London

[...] Ein Glücksfall, dass Haydns Gedichtvertonungen “Fidelity” und “The Wanderer” von Anne Hunter und das Shakespeare-Sonett “She never told her love” dabei von
Ruby Hughes gesungen wurden: Die Britin ist eine Sopranistin wie man es sich nur wünschen kann: eine klare Stimme, weich auch in den Höhen, kräftig, ohne aufdringlich
zu sein. Technisch sauber, dabei aber immer mit einer immensen Wärme. Das Publikum erlebte so das Aufblühen vieler verschiedener Klangfarben und die Darbietung der diffizilen Musik-Ton-Gefüge gelang dem Duo Brunner-Hughes in einzigartiger Weise. Mit größter musikalischer Sensibilität und Expressivität spürten beide der geistigen und poetischen Qualität der Vertonungen nach. Hier zeigte sich Haydns sprühende musikalische Fantasie, aber ebenso die atmende Akkuratesse und Nüchternheit, die Spielfreude und Empfindsamkeit der Musiker.
Im zweiten Teil stellte Brunner dann eine Klaviersonate von Cecilia Maria Barthdlemon vor: Zunächst leicht, dann pastös dahingetuft, formierte sich die Darbietung zu einem veritablen Sturm-und-Drang an Tasten, von Brunner geradezu mit einer lustvollen Mischung aus Ingrimm und Chuzpe vorgeführt. Im Anschluss folgten Haydns Vertonungen von “A Pastoral Song” und “Spirit Song”, Werke durchzogen von mäandernder Melancholie, die Brunner und Hughes dennoch zum Leuchten brachten. Zum Schluss
Francois-Hippolyte Barthélemons Bearbeitung von Streichquartett op. 33 mit “Scotch Airs” und “Reels” für Cello, Violine und Klavier. Hier verschmolz das Raffinement
der Kangfarben und der Rausch der Virtuosität.
Spätestens jetzt wird Haydn nicht nur in England geliebt. (Claudia Koestler)

Englisch durch und durch
Salzburger Hofmusik folgt Haydn und Zeitgenossen auf die Insel

[...] Gerade [Cecilia Maria] Barthélemons Klaviersonate zeugt von staunenswertem Können, vor allem in den ersten zwei Sätzen, was Brunners Gestaltung sinnstiftend
verdeutlichte. Kühn wechsehn sich die verschiedenen Ausdrücke und Tempi ab, einige schroffe Unisoni erinnern an Beethoven, im lyrischen Aufklaren und Verdunkeln schimmert bereits Franz Schubert.
Von Haydn gaben Hughes und Brunner Lieder der Londoner Dichterin Anne Hunter zum Besten; ein besonderes Hörerlebnis wurde jedoch das Klaviertrio fis-Moll (Hob. XV:26). Es ist Rebecca Schröter gewidmet. Zupackend und insistierend ließen die Musiker die Durchführung des ersten Satzes subtil grollen und schwären, um im “Adagio cantabile” fast schon Brahms’sche Melancholie atmen zu lassen.

[...] Großer Beifall für einen spannenden und bereichernden Abend. (Marco Frei, Wolfratshauser SZ)

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4. Oktober 2009

Der Kastrat, der selbst komponierte – Auf Farinellis Spuren im GNM

[Rezension zum Konzert der Salzburger Hofmusik mit Jörg Waschinski im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg am 30. September 2009]

Man muss – auch nach diesem wunderbaren Konzert – die Musikgeschichte nicht umschreiben. Farinelli, bürgerlich Carlo Broschi (1705–1782), wird auch weiterhin als Sänger in Erinnerung bleiben. Immerhin als einer der Superstars des Barock, der mit seiner Kastratenstimme das Publikum, über die Geschlechtergrenzen hinweg, in Ohnmachtsnähe brachte. Aber eben nicht als Komponist – der sich, zur idealen, nicht ganz uneitlen Darstellung der eigenen Kunst, auch selbst ein paar Arien schrieb.

Dennoch: Diese nun im Aufseßsaal des Germanischen Museums hören zu können, machte «Farinellis Feuerwerk» zur amüsanten Entdeckung – und wann erlebt man schon einmal einen männlichen Sopran? Hut ab vor Jörg Waschinski, der sich mit seinem lyrischen, warm timbrierten Falsett auf Farinellis legendäre Gesangsspuren wagte. Und dessen reich verzierte, melodisch gleichwohl oft eher kurzatmige Bravourstücke glanzvoll in die Gegenwart holte.

Die Themen? Ein Seemann, den der Sturm vom Hafen fernhält. Ein Schiffbrüchiger, der nach seiner Gefährtin sucht. Dramatische Momente in wilder Natur, nach Farinellis Geschmack mit vielen Seufzern garniert. Da kann sich auch Dirigent Wolfgang Brunner in seinen humorigen Ansagen eine gewisse Ironie nicht verkneifen – und steuert mit seiner fulminanten Salzburger Hofmusik als Rahmen auch wirklich Erstklassiges bei.

Eine «Wahnsinns»-Sonate von Vivaldi, dazu, als herrliche Trouvaille, eine Burleske von Telemann über Don Quichote. Frühe Programmmusik, die das Erwachen des verträumten Ritters oder den Alters-Galopp seines Gauls Rosinante samt Notbremsung elegant und mit leisem Witz bebildert. Ein bezaubernder Auftakt für die neue Saison der Musica Antiqua!

(Wolf Ebersberger, Nürnberger Zeitung, 2. Oktober 2009)

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22. September 2009

Oasen der Freundschaft – Wolfgang Brunner und die „Salzburger Hofmusik“ erinnerten im Beuerberger Pfarrsaal an Joseph Haydn und dessen Begegnungen in London

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Wolfgang Brunner, Ruby Hughes, Veronica Kröner, Susanne Müller

„Geliebt in England“ war das gutbesuchte Programm im Rahmen des Musiksommers Loisachtal übertitelt. Denn einige Begegnungen müssen Haydn laut Programmheft besonders zu Herzen gegangen sein, die Klaviertrios op. 73 und die VI Original Canzonettas waren für ihn jedenfalls „Reminiszenzen an glückliche Tage in London“.

So enthielt der Konzertnachmittag nicht nur Kompositionen von Haydn, sondern auch von Musikern, denen Haydn während seiner Aufenthalte in London nahe stand.

Ein Glücksfall, dass Haydns Gedichtvertonungen „Fidelity“ und „The Wanderer“ von Anne Hunter und das Shakespeare-Sonett „She never told her love“ von Ruby Hughes gesungen wurden: Die Britin ist eine Sopranistin, wie man es sich nur wünschen kann: eine klare Stimme, weich auch in den Höhen, kräftig, ohne aufdringlich zu sein. (cjk, merkur-online.de, 22.9.2009)

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14. August 2009

Mr. Haydns Lovers

Beim Mattseer Diabelli Sommer gestaltete Wolfgang Brunner mit seiner Salzburger Hofmusik einen vergnüglichen Abend mit Tiefgang.

Von Paul Kornbeck, DrehPunktKultur

14/08/09 Haydn in London – das sind nicht nur große Sinfonien, das ist vieles an menschlicher Beziehung und liebenswerter Aneignung. Wolfgang Brunner führte durch den Abend mit einer köstlichen Mischung aus ernster Betrachtung und pfiffiger Laune.

Johann Samuel Schroeter widmete eine hübsche frühklassische Violinsonate 1772 seiner Braut Rebecca Scott, die zwei Jahrzehnte später als Witwe Rebecca Schroeter eine durchaus innige Beziehung zu Haydn in London hatte. Das ihr gewidmete Klaviertrio in fis-Moll Hob. XV: 26 spiegelt die Gefühle des Komponisten und ist darüber hinaus ein aufregend experimentelles Stück (mit einem Adagio cantabile in Fis-Dur!). Brunner, der perfekte “Hammerflügler”, musizierte das mit seinen stilsicheren Partnerinnen Veronica Kröner (Geige) und Susanne Müller (Cello) voll klangrednerischer Noblesse und Ausdruckskraft.

Die Komponistin Cecilia Maria Barthélemon aus mit Haydn befreundeter Familie ist es wert, aus dem Schlummer der Archive erweckt zu werden, zumal wenn eine ihrer Haydn und Mozart trefflich kopierenden Klaviersonaten so herzhaft, einfühlsam und im Finale swingend wie ein Boogie gespielt wird wie von Wolfgang Brunner. Ihr Vater, der Violinvirtuose François-Hippolyte Barthélemon, hat eher absurde, aber höchst unterhaltsame Klaviertrios verfasst, in deren ersten Sätzen jeweils der Kopfsatz eines Haydn’schen Streichquartetts effektvoll arrangiert ist, in deren weiterem Verlauf aber schottische und walisische Volkslieder und Tänze für zündende Laune sorgen.

Das zu Gehör gebrachte Beispiel, ebenfalls von Brunner wieder entdeckt, hat sicher auch Haydn großen Spaß gemacht. Der Spaß, den es den Interpreten machte, teilte sich unmittelbar dem Publikum mit.

Mit einer Auswahl aus den von Mrs. Anne Hunter, der zweiten von Haydn geschätzten englischen Witwe, getexteten englischen Canzonettas stellte sich die junge deutsche Sopranistin Gudrun Sidonie Otto vor. Sie besitzt eine technisch sehr gut geführte frische junge Sopranstimme, artikuliert das Englische hervorragend, verfügt offenbar über eine lyrisch leuchtende Höhe, der man in einem größeren Raum gerne wieder begegnen würde. Sie vermag die Lieder auch mimisch natürlich und ansprechend zu gestalten. Es ist übrigens verblüffend, wie sehr Haydn in Liedern wie „The Wanderer“ oder in der grandiosen Shakespeare-Vertonung „She Never Told Her Love“ bereits atmosphärisch, aber ebenso in manch überraschend „sprechendem“ Detail der Klavierbegleitung in die Nähe Schuberts gekommen ist.

Die Begeisterung des Publikums wurde mit einem der schottischen Lied-Arrangements Haydns belohnt, wobei alle famosen Mitwirkenden des Abends gemeinsam musizieren konnten.

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Wolfgang Brunner, Veronica Kröner, Susanne Müller

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Gudrun Sidonie Otto

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13. August 2009

Salzburger Hofmusik bei den 6. Haydn-Tagen auf Schloss Rohrau

Zeitungsberichte der Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN):

NÖN Haydn Tage 09 NÖN Kirchenmusik auf höchstem Niveau

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12. August 2009

Philemon & Baucis empfohlen von MDR Figaro

Joseph Haydn – Philemon und Baucis

Salzburger Hofmusik
Leitung: Wolfgang Brunner
Label: Profil

Die unbekanntere Musik Haydns wird im Haydnjahr natürlich auch zu Gehör gebracht, wobei sich die Frage stellt, was außer den Sinfonien und den Oratorien denn eigentlich bekannt ist von Haydn, von ein paar Quartetten mal abgesehen. Noch immer ist der Wiener Klassiker weit weniger präsent, als die Kollegen Mozart und Beethoven. Dank gebürt daher dem Ensemble Salzburger Hofmusik unter Wolfgang Brunner, das nun eine weitere Facette von Haydns Schaffen erschließt. Es ist Musik für das Esterhazysche Marionettentheater. Solche Kleinstbühnen waren damals an den Höfen hochmodern und so schrieb auch Haydn dafür. Und dass selbst solche vermeintlich kleinen Gelegenheitskompositionen bei Haydn voller Esprit und Geniegeist stecken, davon überzeugen die Experten der Salzburger Hofmusik nicht zuletzt durch das eigene ambitionierte Spiel.

(http://www.mdr.de/mdr-figaro/musik/6501324.html)

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Rezension zur CD-Neuerscheinung der Salzburger Hofmusik

Lesen sie die Rezension von Radio Stephansdom zur CD-Neuerscheinung der Salzburger Hofmusik: Joseph Haydn, Philemon & Baucis:
(http://www.radiostephansdom.at/aktuell/articles/2009/06/18/a5816/detailinfo)

Haydn: Philemon und Baucis, Der Götterrat
Salzburger Hofmusik, Wolfgang Brunner

Profil – Edition Günter Hänssler 09038

Der CD-Produktion liegt eine Aufnahme vom 1./2. Mai 2002 im Großen Saal des Mozarteum Salzburg zugrunde. Alte Musik-Routiner Wolfgang Brunner kombinierte Übriggebliebenes und Erhaltenes aus Haydns Opern- sprich Marionettentheaterwerkstatt: Das Vorspiel zu “Der Götterrat” nach einem Text vermutlich von Philipp Georg Bader und das Singspiel “Philemon und Baucis” nach Gottllieb Konrad Pfeffel.

Die Salzburger Hofmusik musiziert selbstverständlich “historisch informiert” und schlank besetzt, ganz den Gepflogenheiten Haydns um 1775 als Impresario einer sehr kleinen Operntruppe in Esterháza. Erstaunlich welche Klangfülle sich aus der kleinen Orchesterbesetzung ergibt!

Unter den Sängern findet sich mit Bernhard Berchtold auch ein Name, der mittlerweile als lyrischer Tenor international reüssiert. Alles in allem eine wunderbare Ergänzung der eigenen Haydn-Diskografie und ein weiterer Beweis dafür, dass Haydn mit guter Musik nie gegeizt hat. Allein die Arie des Aret “Wenn am weiten Firmamente” ist ein kunstvoll einfühlsames Wechselspiel zwischen Tenor und Solooboe. Vielleicht auch eine akustische Anregung Haydn auch mit kleinerem Budget auf die Bühne zu bringen. (um)

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6. Juli 2009

Sommerliche Klänge zum Dahinschmelzen – Salzburger Hofmusik stellt „Italien und die Götterwelt“ beim Kissinger Sommer vor

Salzburger Hofmusik in Bad Kissingen 

Der wohltemperierte Rossini-Saal war nahezu ausverkauft, als „Italien und die Götterwelt“ Station machten beim Kissinger Sommer. Kammermusikalische Augenblicke voller Intimität und Intensität gelangen unter Leitung von Wolfgang Brunner (Cembalo und Hammerflügel) der Sopranistin Ruth Ziesak und der Salzburger Hofmusik mit Veronica Kröner, Sabine Lier (beide Violine), Michael Hamann (Viola), Susanne Müller (Cello) und Arno Jochem (Violone).

In „La tempesta di mare“ von Vivaldi entfachten die Salzburger mit einer glänzenden Kröner an der Sologeige einen Sturm auf dem Meer. Das klangreiche Werk beginnt verhalten, baut dramatische Spannung auf, die sich in gewaltigen Klangexplosionen entlädt und schließlich sanft und unschuldig ausklingt. Ein Beispiel barocker Virtuosenkunst ist Giuseppe Tartinis Teufelstriller Sonate g-moll. Angeblich sei der Satan Tartini im Traum erschienen, habe ihm Wunderbares vorgespielt, das der 1692 geborene Komponist dann niederschrieb. Nuancenreich interpretierten Veronica Kröner und die Salzburger das gar nicht dämonisch klingende Werk.

Glücklich schätzte sich, wer die Liedtexte von „Il lamento d’Arianna“ von Claudio Monteverdi in Händen hielt. Zwar deklamierte Ruth Ziesak die Rezitative ausdrucksstark und textgetreu, doch wer der italienischen Sprache nicht mächtig war, konnte die spannende Geschichte der kretischen Ariadne, die Theseus bei der Tötung des Minotaurus im Labyrinth half und von ihm dafür alleine auf der Insel Naxos zurückgelassen wurde, kaum nachvollziehen. In Alessandro Scarlattis Soprankantate „Arianna“ verwandelte Ziesaks innig und rein klingender Sopran die verzweifelten Klagen, das Flehen um Erbarmen, die empörte Wut und das Versinken in Resignation der Ariadne in schillernde Schmuckstücke.

Ein Meisterwerk geistreicher und feinsinniger Interpretation gelang Ruth Ziesak bei Franz Schuberts „Antikenlieder“ nach Texten von Schiller, Mayrhofer und Goethe. Wolfgang Brunner begleitete sie am Hammerflügel mit präziser Verlässlichkeit und wachem Bewusstsein. Brunner selbst überzeugte beim Allegretto aus Schuberts Drei Klavierstücken D 946 als Solist am Hammerflügel mit perlender Anschlagskultur und erzeugte sommerliche Klangfarben zum Dahinschmelzen.
(Angelika Silberbach, Main Post, 6. Juli 2009)

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4. Juni 2008

Konzert der Salzburger Hofmusik im Rahmen der Salzburger Bachgesellschaft, 30. Mai 2008, Stadtpfarrkirche Mülln

BACHGESELLSCHAFT / ROSENKRANZ-SONATEN 
Ein feines Gesamtkunstwerk 


Heinrich Ignaz Franz Biber und die Moderne, geschickt verknüpft. Vor der „Langen Nacht der Kirchen“ am 30. Mai ein angenehm temperierter Abend in der Stadtpfarrkirche Mülln mit der Salzburger Hofmusik. 

Von Gottfried Franz Kasparek 


01/06/08
Welch eine Wohltat, aus der drückenden Hitze dieses schon hochsommerlichen Wonnemonds in die Kühle der Kirche zu gehen. Da das schöne Müllner Gotteshaus auch eine taugliche Akustik hat, wurde das letzte Konzert der Bachgesellschaft in dieser Saison zum wirklichen Hörerlebnis in geeignetem Ambiente. Die süßen kleinen Stuckengerln an der Decke und deren goldene Geschwister am Hochaltar finden ihre Entsprechung in manch farbenfroher Nuancierung der Biber’schen Rosenkranzsonaten, von denen die Nummern 4, 9, 10 und 15 erklangen. 
Hinter barockem Zierrat stecken freilich wie bei der im Grunde romanisch-gotischen Kirche ein strenger Plan und eine konzise musikalische Ausdeutung der Leiden Christi. Wolfgang Brunner brachte die Zeitlosigkeit dieser Musik und ihr Wirken in die Zeit hinein in klug platzierten verbindenden Worten zum Ausdruck, wenn er etwa das pochende Einschlagen der Nägel ins Kreuz in der entsprechenden Sonate mit den verblüffend ähnlichen Schmiederhythmen der Nibelungen in Wagners „Rheingold“ verglich. Nun, erst kurz vor 1900 hat Guido Adler in Wien Biber neu entdeckt, erst 1942 getraute sich Paul Hindemith (an der Yale University) die Rosenkranzsonaten auch wieder zu spielen – aber manche musikalische Formulierung wirkt eben im Geheimen fort. 

Die Geigerin Veronica Kröner schaffte in jeder Skordatur die auch emotional richtige Stimmung, ohne jemals in trockenes Exekutieren abzufallen. Sie spielt Barockvioline mit schönem, oft auch weichem Ton, mit den genau passenden Akzentuierungen und sogar mitreißendem Temperament. Im Verein mit der famos mitatmenden Continuo-Gruppe (Wolfgang Brunner, Peter Sigl und der Lautenist Hans Brüderl) gelang eine Interpretation, welche der spirituellen Kraft dieser Musik ebenso gerecht wurde wie der virtuosen Experimentierfreude des Komponisten. Begonnen hatte das Konzert mit einer Toccata von Bibers Zeitgenossen Georg Muffat, die Wolfgang Brunner atmosphärisch von der Orgel gleichsam zu Ehren des schönen Instruments und deren vor kurzem verstorbenen Mäzenin Johanna von Mierka klingen ließ. Von der Orgelempore kam auch Sofia Gubaidulinas wundersame Kreuz-Meditation „In Croce“. Peter Sigls von innen heraus leuchtender, innig-reiner Celloton schuf eine stimmige Verbindung zu Biber. Das gilt auch für „Nach dem Weinen“, ein im Altarraum gespieltes meditatives Solostück von Giya Kancheli. 

Wolfgang Brunner traute sich über György Ligetis wahnwitziges Tastenkunststück „Continuum“ und schaffte es, am Cembalo wahrlich „die Zeit zum Raum“ werden zu lassen. Alle drei Stücke Neuer Musik – ohnehin alles schon „Klassiker“ – waren nicht nur zur barocken Umgebung passend, sondern luden dazu ein, auch das so genannte Alte aufregend neu zu hören.  Kurzum: ein geistlich-sinnliches Gesamtkunstwerk von Musik und Architektur, mitsamt frischem Brot und Wein in der Pause. Einhelliger Jubel des Publikums. 

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2. April 2008

Diabelli’sches zum 150. Todestag am 9. April 2008 in Ö1 Ausgewählt

Ö1 Ausgewählt – Abenteuer Interpretation am Mittwoch, den 9. April 2008, 10:05 Uhr

Zum 150. Todestag des Komponisten und Verlegers Anton Diabelli. Musik braucht nicht nur geniale Komponisten und Interpreten, sie braucht auch Förderer, Veranstalter, Verleger.
Anton Diabelli war vielleicht kein herausragender Komponist (oder ist er vielleicht doch unterschätzt?), aber als Förderer und Verleger verdankt die Musik ihm unglaublich viel, z. B. die Werke Schuberts.

Eine Sendung von Hans Georg Nicklaus. Mit musikalischen Beiträgen aus “Anton Diabelli – Komponist und Verleger”. Eine CD-Produktion der Salzburger Hofmusik unter Wolfgang Brunner aus dem Jahr 2001.

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